In vielen Schweizer Büros hat sich der klassische Zweiteiler zurückgezogen — verschwunden ist er nicht. An seine Stelle tritt ein Register, das mehr Freiheit erlaubt, aber auch mehr Urteilsvermögen verlangt: Business Casual.
Was Business Casual bedeutet
Business Casual heisst: konfektionierte Silhouette, weniger Formalität in Stoff und Farbe. Ein Sakko bleibt, die Krawatte fällt meist weg. Der Anspruch an Passform sinkt dabei nicht — er steigt sogar, weil ohne Krawatte und Weste jede Schulterlinie sichtbarer wird.
Die Bausteine
- Sakko: unstrukturiert oder halbgefüttert, in Wolle, Wolle-Seide oder Baumwolle.
- Hose: Chino, Flanell- oder Wollhose — nie die Hose eines dunklen Business-Anzugs.
- Hemd: Oxford, feines Twill oder Leinen. Button-Down funktioniert ohne Krawatte besonders gut.
- Strick: feiner Merino- oder Kaschmirpullover unter dem Sakko statt Weste.
- Schuhe: Loafer, Derby oder ein sauberer Ledersneaker, je nach Branche.
Warum die Kombination oft scheitert
Der Anzug wird auseinandergerissen
Das häufigste Missverständnis: Das Sakko eines dunklen Anzugs zur Chino. Anzugstoffe sind glatt und formell gewebt, Freizeithosen nicht — die beiden Texturen kollidieren sichtbar. Ein Business-Casual-Sakko wird von Anfang an als Einzelstück konzipiert.
Die Passform ist zu weit
Lockerer Dresscode heisst nicht lockere Passform. Gerade beim unstrukturierten Sakko trägt die Schulter kaum Aufbau — die Form muss aus dem Schnitt kommen, nicht aus der Einlage.
Business Casual funktioniert dann, wenn niemand darüber nachdenkt, warum es funktioniert.
Farben und Muster
Marine, Grau, Oliv, Sand und Braun bilden eine Basis, die sich fast beliebig kombinieren lässt. Struktur ersetzt Muster: Hopsack, Fischgrat oder ein leichter Melange-Effekt wirken lebendig, ohne aufdringlich zu sein. Wer Muster mag, kombiniert es mit einer einfarbigen Hose.
Der Einstieg mit einem Stück
Wer Business Casual aufbauen will, beginnt mit einem einzigen Sakko nach Mass in Marine oder Grau-Melange. Es passt zu Chino, Flanellhose und Jeans und deckt damit den grössten Teil eines Arbeitsjahres ab. Im Atelier in Fribourg besprechen wir am konkreten Stoff, welche Konstruktion zu Ihrem Alltag passt.
